Prof. Dr. Michael von Brück (Universität München) gelang in einem – nicht nur asienwissenschaftlich - profunden, menschlich berührenden und zugleich auch philologisch absolut brillanten Vortrag Ortung und Einordnung der stets spannenden Ideen- und Erkenntniswelt Celibidaches diesseits und jenseits des sprachlich Formulierbaren. Von Brück ging das Wagnis ein, Celibidaches in manchem außergewöhnliche Methoden und Gedankenwege vor dem Hintergrund der Ideengeschichte Indiens und Ostasiens darzustellen; er fesselte das Publikum mit immer wieder paradoxen und doch hoch plausiblen Bezügen zwischen Zeit und Zeitlosigkeit, Detail und Ganzheitsforschung, sinnlich Erfahrbarem und Transzendentalem u.v.a. Die Publikation dieses herausragenden Essays zu Künstlerästhetik und geistigen Hintergründen Celibidaches wäre überaus wünschenswert sowohl in kunsttheoretischen als auch musikalisch-praktischen Kontexten!
Dass beflügelnde Theorie und die Wärme praktischer Erfahrung einander ergänzen: Dies wurde durch dieses Fest auf bezwingende Weise und auf bemerkenswert hohem Niveau realisiert. Dass ein Symposion geistvoll lebendig und gleichermaßen ungezwungen hochkonzentriert abläuft – hier konnte man es erleben. Vergangene Jahrzehnte wurden ästhetisch zusammengefasst, relevante Ziele für Pädagogik und Phänomenologie, Musik und Musikleben wurden erneut spürbar.
Agnes Blanche Marc, die maßgebliche Veranstalterin des Festes, von der die Fäden ausgingen und bei der sie zusammenliefen, führte zielstrebig, charmant und mit souveräner Lebendigkeit durch das in der Konzeption durchdacht abwechslungsreiche und im zeitlichen Ablauf dicht gefügte Programm.
Nicht zuletzt die von Celibidache immer wieder im Munde geführte Gleichzeitigkeit von Gelassenheit und hellwacher Konzentration gehörten zu den Merkmalen dieser zweieinhalb Tage, die jedem, der Celibidache zu schätzen gelernt hat, unvergesslich bleiben dürften und deren Früchte unter anderem in der Reihe CELIBIDACHIANA des Wißner-Verlages greifbar werden.
Matthias Thiemel
(Dr. phil., M.A. mit einer Magisterarbeit über Celibidaches ungeschriebene Lehre; seit 1995 Lehrbeauftragter Univ. Freiburg, seit 2009 Musikhochschule Karlsruhe; Oberstufenlehrer für das Fach Musik)